Aktuelles

Neuerscheinung: Bauernkrieg und Reformation

Greiling, Werner / Müller, Thomas T. / Schirmer, Uwe (Hrsg.):
Reformation und Bauernkrieg.
(Quellen und Forschungen zu Thüringen im Zeitalter der Reformation 12)
Köln, Weimar, Wien 2019, Böhlau-Verlag
474 Seiten, ISBN 978-3-412-51167-8

Der Bauernkrieg ist untrennbar mit der Reformation verbunden. Der vom Südwesten des Reiches ausgehende Aufstand breitete sich wie ein Flächenbrand aus und erreichte in Thüringen mit der Schlacht bei Frankenhausen im Mai 1525 seinen Höhepunkt. Die Ursachen der Revolte sind regional und ständespezifisch sehr unterschiedlich. Unzweifelhaft ist jedoch, dass die mittels Flugschriften kursierenden Vorstellungen von einer »besseren Welt« immer stärkeren Anklang in den ländlichen und städtischen Milieus fanden. Vielfältig waren die öffentlich geführten Kontroversen zu Fragen von sozialer Gerechtigkeit, religiöser Erneuerung und autonomer Selbstbestimmung. Diese Aspekte werden im vorliegenden Band thematisiert. Zugleich problematisiert er die sozialen, ökonomischen und politischen Verhältnisse im thüringisch-mitteldeutschen Raum zur Zeit des Bauernkrieges.

Am 20. Juni 2019 wird das Buch um 18 Uhr in der Historischen Rathaushalle des Mühlhäuser Rathauses der Öffentlichkeit vorgestellt.


Neuerscheinung: Müntzerbild und Müntzerforschung

Günter Vogler
Müntzerbild und Müntzerforschung vom 16. bis zum 21. Jahrhundert.
Bd. 1: 1519 bis 1789.
Berlin 2019, Weidler Buchverlag
536 Seiten, ISBN 973-3-89693-734-6

Der radikale Reformator Thomas Müntzer (um 1489-1525) war keine Randfigur der Geschichte, wie lange Zeit behauptet wurde. Sein Denken und Handeln führen mitten in das Geschehen der Reformations- und Bauernkriegszeit hinein. Doch er wurde von seinen Gegnern verteufelt und gehörte seit seiner Hinrichtung bis in die jüngste Vergangenheit zu den umstrittensten Persönlichkeiten. Der Berliner Historiker Günter Vogler, von ihm liegen unter anderem eine Bibliographie der Publikationen über Müntzer und zwei Biographien des Streiters für eine neue Ordnung vor, erarbeitete nun einen möglichst vollständigen Überblick zur Rezeptionsgeschichte Müntzers von 1519 bis 1789. Er wertete dafür ein breites Spektrum von zeitgenössischen Veröffentlichungen aus: Chroniken, Kalendarien, Ketzerkataloge und Lexika, Überblicke zur Kirchengeschichte und theologische Traktate, Darstellungen zur Welt-, Reichs- und Landesgeschichte. Seine Untersuchung bietet in diesem Umfang erstmals einen detaillierten Einblick in die Tendenzen der Rezeptionsgeschichte. Zugleich ist der Band eine Art Lesebuch, in dem Inhalte der einschlägigen Publikationen wiedergegeben und Argumentationsmuster, einschließlich heftig ausgefochtener Kontroversen, anschaulich werden.

Der Druck des Buches wurde durch die Thomas-Müntzer-Gesellschaft unterstützt.


Tagung Luther Akademie

„Müntzer und Luther. Revolution und Reformation“

Die Luther-Akademie Sondershausen-Ratzeburg beschäftigt sich in ihrer Herbsttagung vom 16. bis 18. September 2019 in der Thüringer Landesmusikakademie Sondershausen mit Thomas Müntzer

Die Tagung wird sich hauptsächlich mit Thomas Müntzer befassen. Im Mittelpunkt der Tagung steht die Frage nach dem Verhältnis von Religion und Gewalt, für die der Konflikt zwischen Müntzer und Luther ein paradigmatisches Lehrstück bietet. Führte Müntzers mystische und apokalyptische Schriftauslegung mit innerer Notwendigkeit zu seiner Teilnahme am Bauernkrieg? Die Referenten werden die historischen, juristischen und theologischen Aspekte deutlich machen und zur eigenen Urteilsbildung anregen. Integriert in das Programm ist ein ausgiebiger Besuch Mühlhausens und der Müntzer-Museen mit sachkundiger Führung.

Details unter: https://www.luther-akademie.de/cms/upload/downloads/Herbsttagung2019_Einladung-und-Programm.pdf


Neuerscheinung: Autobiographie von Hans-Jürgen Goertz

Goertz, Hans-Jürgen:
Umwege zwischen Kanzel und Katheder.
Autobiographische Fragmente.
Göttingen 2018, Vandenhoeck & Ruprecht
225 Seiten, ISBN: 978-3-525-57064-7

Mit den Autobiographischen Fragmenten zeichnet Hans-Jürgen Goertz den Weg nach, den er als Theologe und Historiker gegangen ist: vom Studium der evangelischen Theologie, Anglistik, Philosophie und Geschichte in Hamburg, Göttingen, Tübingen und Kansas (USA), zum Pastor an der Mennonitengemeinde zu Hamburg und Altona, einer Tätigkeit als Wissenschaftlichem Assistenten und Studienleiter am Ökumenischen Institut der Universität Heidelberg und – auf Umwegen also – zur Professur am Institut für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte an der Universität Hamburg. Auf diesen Wegen entstanden zahlreiche Publikationen zu Thomas Müntzer, den Täufern, sozialen Bewegungen in der Frühen Neuzeit, zur Radikalität der Theologie heute und zur Geschichtstheorie. Ähnlich wie Ernst Troeltsch organisiert Hans-Jürgen Goertz seine Erinnerungen um „seine Bücher“ und bemüht sich, den „Ertrag“ seines akademischen Lehramtes aus der Perspektive eines konfessionellen Außenseiters und ökumenisch engagierten Theologen zu erläutern.


Bericht des Vorsitzenden Prof. Hans-Jürgen Goertz

Jahresversammlung der Thomas-Müntzer-Gesellschaft am 28. Mai 2016 im Kulturhistorischen Museum in Mühlhausen

Ich hatte bereits im letzten Jahr angeregt, den Vorsitz der Thomas-Müntzer- Gesellschaft in jüngere Hände legen zu lassen. Und nun ist es soweit. Der Vorstand muss auf dieser Jahresversammlung unseres Vereins neu gewählt werden, und nichts spricht dagegen, diese formale Zäsur mit einer inhaltlichen zu verbinden. Es werden also nicht nur die Vorstandsmitglieder neu gewählt, sondern auch der Vorsitz neu geregelt. (mehr …)


Bericht der Mitgliederversammlung am 28. Mai 2016 im Kulturhistorischen Museum in Mühlhausen

Am 28. Mai fand die jährliche Mitgliederversammlung der Thomas-Müntzer-Gesellschaft e.V. im Kulturhistorischen Museum der Stadt Mühlhausen statt. Prof. Dr. Hans-Jürgen Goertz begrüßte als Vorsitzender die anwesenden 50 Mitglieder und Gäste. Seinen ausführlichen Rechenschaftsbericht finden Sie hier. Prof. Goertz berichtete darüber hinaus kurz über die Vorstandssitzung der TMG am vorherigen Freitagabend und brachte seine Freude darüber zum Ausdruck, dass die Gesellschaft weiter gewachsen ist und nun 85 Mitglieder zählt. (mehr …)


Neue Dauerausstellung über Thomas Müntzer im Schloss Allstedt

Das Bundesland Sachsen-Anhalt verfügt über ein reiches historisches Erbe, zu dem die Reformation und die Aufstandsbewegungen am Anfang des 16. Jahrhunderts zählen. Das öffentliche Interesse an der Geschichte ist spürbar gewachsen, nicht zuletzt weil im „Kernland der Reformation“ das 500jährige Reformationsjubiläum 2017 aufwendig vorbereitet wird. Vor allem die Orte, die in der Vita Martin Luthers eine Rolle spielen – besonders Eisleben, Mansfeld und Wittenberg – sind bekannte Besucherziele, die mit ihren in den letzten Jahren teilweise großzügig restaurierten kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten werben. (mehr …)


Der Thomas-Müntzer-Weg in Allstedt

Ein Rundgang zu den Wirkungsstätten des Reformators
von Anke Weisbrich

Kurz vor Ostern 1523 trat Thomas Müntzer die Pfarrstelle an der Neustädter St. Johanniskirche in Allstedt an. Allstedt war eine kleine Ackerbürgerstadt mit rund 700 Einwohnern und das Zentrum des Amtes Allstedt, einer kursächsischen Enklave mit 2500 Bewohnern. (mehr …)


Ein Wochenende mit Thomas Müntzer in Mühlhausen

„Es müntzert wieder“ – so könnte das Fazit eines ereignisreichen Maiwochenendes lauten, denn im thüringischen Mühlhausen erinnerten zahlreiche Veranstaltungen an den radikalen Reformator Thomas Müntzer. Das jährliche „Bauernkriegsspektakel“ belebte die Straßen; in der Marienkirche erklangen Gesänge aus Müntzers „Deutsche evangelische Messe“; eröffnet wurde die Sonderausstellung der Mühlhäuser Museen „Der geprägte Reformator. Thomas Müntzer auf Münzen und Medaillen“; die Thomas-Münzer-Gesellschaft hatte den Filmhistoriker Michael Grisko (Erfurt) eingeladen, der auf ihrer Jahresversammlung unterschiedliche Deutungen des Predigers in Film und Fernsehen analysierte, und „Die Linke“ lud in ihrer Reihe „Kultur neu denken“ jetzt zum Disput über Müntzer ein. (mehr …)


Thomas Müntzer – ein Knecht Gottes

Rede zur Neueröffnung einer Ausstellung im Schlossmuseum Allstedt
von Siegfried Bräuer

Allstedt gehört zu den Quellorten der Reformation. Das hat sogar Kurfürst Johann Friedrich bescheinigt. Als er sich veranlasst sah, 1532/33 an den Allstedtern Kritik zu üben, erinnerte er sie daran, dass bei ihnen das Evangelium und Wort Gottes früher als an einem anderen Ort in Werk gerichtet worden sei. Allstedt ist sogar der Geburtsort des vollständigen deutschen Gottesdienstes. Das ist längst nachgewiesen. In der Flut der Veröffentlichungen zu der Reformationsdekade ist mir diese Tatsache allerdings nicht begegnet, nicht einmal beim Jahresthema von 2012 „Reformation und Musik“. Wenn der Luthergegner Johannes Cochläus recht gehabt hätte, als er 1545 behauptete, Luther sei nach dem Wormser Reichstag auf Schloss Allstedt interniert worden, wäre das anders verlaufen. Dann würde nicht die Wartburg allgemeines Interesse während der Reformationsdekade auf sich ziehen, sondern das Schloss Allstedt. (mehr …)